Schwanzlurch-FAQ

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  • Schwanzlurch-FAQ

    Liebe Nutzer,

    im folgenden Schwanzlurch-FAQ soll auf die steigende Zahl von Schwanzlurchinteressierten abseits des Axolotls in unserem Forum reagiert und Hilfestellung geboten werden.
    Ich habe einige anfängertaugliche Arten herausgesucht, welche man gut als Nachzuchten bekommen kann. Die Informationen beschränken sich auf kurze Portraits und die wichtigsten Haltungsrichtlinien, sowie die Mindestanforderungen der AG Urodela. Weiterführende Informationen lassen sich durch die unten genannten Links oder Fachliteratur erhalten.
    Vorschläge für Konkretisierungen oder weitere Arten nehme ich per PN auf oder reagiere auf Beiträge im separaten Diskussionsthema. Allgemeine Themen können dort ebenfalls besprochen werden. Artspezifische Fragen sind am Besten in eigens dafür erstellten Themen zu diskutieren.

    Aufbau des FAQs:
    1. Vorwort zur Haltung
    2. Artportraits
    3. Jungtiere
    4. Weiterführende Literatur

    1. Vorwort zur Haltung, allgemeine Tipps:

    Terrarienmaße schlage ich auf Grundlage der Mindestanforderungen bzw. eigenem Ermessen und bestem Gewissen vor.
    Die Haltung unterschiedlicher Arten ist meist recht einheitlich, mit Abweichungen nach Mikroklima des Habitats und artspezifischem Jahresablauf.
    Terrarien und ihre Bewohner profitieren meist von einem natürlichen Bodengrund. Laubwalderde (evtl. ausgebacken) hat sich als sehr gut erwiesen.
    Es gibt allerdings auch erfahrene Züchter/Halter, die Schaumstoff als Untergrund verwenden;
    Eine Aufzucht von Jungtieren in Behältnissen, welche kleiner als die Mindestgröße sind helfen meist die nötige Futterdichte aufrecht zu erhalten, hier verwenden viele Züchter außerdem Küchenpapier als Bodengrund.
    Die Anpassung der Temperatur und Beleuchtungszeiten wirkt sich oft sehr positiv auf die Vitalität der Tiere und Paarungsstimmung aus. Die Einhaltung einer Winterruhe, gemäß des natürlichen Lebensrhythmus, ist die in meinen Augen einzig vertretbare Haltungsart für Schwanzlurche.
    Die Nennung von 1,2,3 als Angabe der Anzahl der Tiere in Abhängigkeit vom Geschlecht wird hier genutzt. 1,2,3 bedeutet 1 Männchen, 2 Weibchen und 3 Tiere unbekannten Geschlechts.

    2. Artportraits:

    Gattung Ambystoma

    Ambystoma mavortium/tigrinum BILD!

    Über 30cm groß werdender Schwanzlurch. Die Haltungstemperatur sollte in der Sommerzeit 22°C nicht überschreiten. Im Winter ist eine Winterruhe knapp über dem Gefrierpunkt, jedoch keinesfalls darunter, anzubieten. Bei Kenntnis über die Herkunft der Tiere ist eine Anpassung der Haltung an die dortigen Umstände vorteilhaft und sinnvoll.
    Das Terrarium für 1,1 A. mavortium/tigrinum sollte 80x40cm Grundfläche bieten, eine Wasserschale in der die Tiere gut untertauchen können, sie aber auch leicht verlassen können ist nötig. Der Bodengrund sollte 20cm hoch sein, da die Tiere viel graben.
    Eine Winterruhe ist in jedem Fall notwendig! Die Art benötigt im allgemeinen 5°C oder weniger in der Winterruhe.
    Im Frühjahr (bei adulten Tieren) setzt man die Männchen eine Woche früher in ein Aqua-Terrarium als die Weibchen. Sofern die Tiere in Paarungsstimmung sind und nicht an Land drängen, kann man sie bis zum Ende der Paarungszeit dort belassen.
    Jungtiere metamorphosieren in Gruppenhaltung meist bei etwa 12cm und fressen an Land alles, was sie überwältigen können.

    Gattung Cynops/Hypselotriton (Feuerbauchmolche)

    H. orientalis (Zwergfeuerbauchmolch) BILD!

    Die Tiere erreichen eine Größe von 8-10cm. Man kann ein Paar in Aquarien ab 40x25cm halten, der Wasserstand kann etwa 20cm betragen. Das Becken sollte gut durchkrautet sein und einen kleinen Landteil, bspw. In Form einer Korkinsel, bieten.
    Ein Jahresverlauf tut den Tieren gut. So sind 14°C im Winter und übliche 22°C im Sommer, natürlich jeweils auch darunter, im Rahmen.
    Jungtiere meiden in der Regel für etwa 1 Jahr oder länger das Wasser. Nach etwa einem Jahr an Land kann man die Tiere langsam an das Wasser gewöhnen.
    Die Arten pyrrhogaster, ensicauda und cyanurus, bspw. lassen sich, die Behältnisse der Größe angepasst, weitgehend genauso halten.

    Gattung Pleurodeles (Rippenmolche) Meldepflichtig!

    P. waltl (Spanischer Rippenmolch) BILD!

    Rippenmolche werden mit über 20 bis zu 30cm sehr groß und lassen sich weitgehend wie unsere Axolotl halten. Lediglich sollte man ihnen einen Landteil bieten, der aus Kork bestehen kann. Eine Pflanzenschicht aus stabilen Pflanzen, damit sich die Tiere über Wasser ausruhen können, wird sehr gut angenommen. Eine Haltung mit etwas Temperaturabsenkung ist genügend.
    Nur die Jungtiere machen es wie die meisten anderen auch, sie meiden das Wasser. Nach einem Jahr lassen sie sich an dieses wieder gewöhnen.
    Die anderen Arten der Gattung lassen sich genauso halten, sind aber deutlich schlechter als Nachzuchten bekommen.


    Gattung Salamandra (Feuersalamander) Meldepflichtig!

    S. salamandra BILD!

    Ich beschränke mich auf die heimischen Unterarten salamandra und terrestris, da die verschiedenen Unterarten teilweise recht unterschiedliche Lebensabläufe und Reproduktionsstrategien haben.
    Feuersalamander werden in der Regel bis zu 20cm groß. Die Größe zeigt, dass Terrarien ab 80cm Länge nötig sind. Als Waldbewohner heimischer Wälder leben sie einen deutlichen Jahresrhythmus. Das Wasser wird, ausser zum Absetzen der Larven (nicht Eier!), praktisch nicht aufgesucht.
    Die Larven sind häufig recht kannibalisch und sollten bestenfalls einzeln aufgezogen werden.

    Gattung Taricha (Gelbbauchmolche)

    T. granulosa (Rauhäutiger Molch) BILD!

    Die Gattung Taricha umfasst sehr kräftige und mit bis zu 20cm auch sehr große Tiere. Rauhäutige Molche sind die am stärksten aquatil lebende Art der Gattung. Sie lassen sich, ausser in der üblichen Zeit zwischen Metamorphose und einjährigem Landgand, durchgängig im Wasser halten. Die obligatorische Ruhemöglichkeit in Form einer kleinen Insel und kräftigen Pflanzen sollte gegeben sein. Im Winter genügt eine Absenkung der Temperatur auf 12-15°C um die Paarung auszulösen. Achtung: die Gattung Taricha zählt zu den giftigsten Schwanzlurchen. Ihr Hautgift Tetrodotoxin ist ein Nervengift und es empfiehlt sich, sich nach Umgang mit den Tieren die Hände gründlich zu waschen und Kontakt mit Schleimhäuten zu vermeiden!

    Gattung (ehemalige) Triturus (echte Wassermolche) Meldepflichtig!

    T. marmoratus (Marmormolch) BILD!

    Der Marmormolch soll als Vertreter der Gattung Triturus, aber auch Ichthyosaura und anderen ehemaligen Triturus dienen (zur Frage der Taxonomie, also Benennung der Art siehe salamanderland.at/Veröffentlichungen/2008.pdf ). Natürlich können/müssen etwaige Behältergrößen angepasst werden.
    Die Art wird bis zu 18cm groß und lebt eindeutig amphibisch. Ein starker Rhythmus wird gelebt: Das Frühjahr beginnt mit der Fortpflanzungsperiode die rein im Wasser stattfindet, danach wird etwa in der Mitte des Jahres das Land aufgesucht und der Winter bei kühler Überwinterung verbracht.
    Terrarien mit 60 beziehungsweise Aquarien mit 80cm sehe ich als passend an.

    Die Gattung weist einige ganzjährig aquatilen Populationen auf, der bekannteste Vertreter ist der apuanische Bergmolch (Ichthyosaura alpestris apuana; BILD!).

    Gattung Tylototriton (Krokodilmolche)

    T. verrucosus (Birma-Krokodilmolch) BILD!

    Bei der Haltung orientiert man sich weitgehend an der Gattung Triturus, wobei der Birma-Krokodilmolch oft ganzjährig im Wasser bleibt. Ein Wasserstand bei etwa 20cm oder mehr ist für diese, etwa 18cm groß werdende Art nötig. Für die Fortpflanzung ist eine kalte Winterruhe bei etwa 5°C wichtig.
    T. shanjing (Mandarin-Krokodilmolch)
    Deutlich weniger das Wasser liebend ist diese Art. Die Wasserphase ist meist auf das Frühjahr und die dortige Reproduktionsperiode reduziert. Ansonsten unterscheidet sich die Haltung dieser Art nicht von der, anderer Tylototriton-Arten.
    Die anderen Vertreter der Gattung lassen sich wie T. shanjing halten, sind jedoch nur recht selten als Nachzuchten zu erhalten.

    3. Jungtiere

    Jungtieren soll eine besondere Bedeutung zugeschrieben werden.
    Zur Verdeutlichung sind hier keine Larven gemeint, sondern fertig metamorphosierte Jungtiere. Meist werden Nachzuchten nur als Jungtiere gehandelt und lassen sich nicht so leicht wie die entsprechenden Adulten halten.
    Für Jungtiere sollte man im Allgemeinen kleine Behältnisse, wie Plastikboxen bieten. Die Einrichtung sollte spartanisch sein. Küchenpapier, Kies oder Schaumstoff hat sich erwiesen. Dazu ein Unterschlupf. Wasser nur, wenn es sehr flach und leicht zu verlassen ist.
    Die Mindestanforderungen kann man meist missachten. Für die kleinen Tiere (oft weniger als 5cm groß) ist kaum Platz nötig, da sie sich kaum bewegen und meist eher auf Futter lauern. Sie müssen ständig im Futter stehen, das natürlich entsprechend klein sein sollte, wie Mikro-Heimchen, Ofenfischchen, Springschwänze, Asseln, oder Erbsenblattläuse.
    Oft, jedoch nicht bei jeder Art(!), nutzen Temperaturen von 20°C oder geringfügig mehr, um eine schnellere Aufzucht zu ermöglichen, bei der weniger Tiere kümmern und trotzdem gesund aufwachsen.
    Bei Tieren, die sich an das Wasser gewöhnen lassen hat man große Vorteile, wenn sie schließlich im Wasser sind, da dort das Futter eher gesucht wird und auch totes Futter genommen wird.

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  • 4.Weiterführende Literatur und Informationsquellen

    -Bücher
    Franzen&Franzen - Feuerbauchmolche
    Kurt Rimpp - Molche und Salamander
    Wolf-Rüdiger Große -Molche und Salamander
    Hans-Joachim Herrmann - Amphibien im Aquarium
    Hans-Joachim Herrmann - Wer weiß was über Molche und Salamander?
    Stefan Schorn und Axel Kwet - Feuersalamander
    Devin Edmonds - Newts and salamanders (englisch!)
    Schultschik, G. & Grosse W.-R.: Gefährdete Molch- und Salamanderarten - Reichtlinien für Erhaltungszuchten
    F. Pasmans, S. Bogaerts, H. Janssen, M. Sparreboom - Molche und Salamander halten und züchten (2014)

    -Internet
    ag-urodela.de
    feuersalamander.de (Forum für Schwanzlurche)
    salamanderseiten.de
    DGHT-Foren
    salamanderland.at
    molchkeller.wg.am
    schwerdtfisch.net (zu I.a. apuana und H. orientalis)
    urodela.npage.de
    caudata.org (Englisch!)

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